Die Pakete der Anderen


Es gibt eine Sache, die in Wohnungsanzeigen immer verschwiegen wird. Zusätzlich zu den drei hellen Zimmern, dem renovierten Badezimmer und dem Laminatfußboden gehört zu der Wohnung im ersten Stock auch immer ein wichtiges Amt innerhalb der Wohngemeinschaft: Die Paketannahmestelle. Belohnung dieses Amtes sind ein ausgezeichneter Kontakt zu den Paketboten der ortsansässigen Unternehmen und ein ziemlich guter Überblick über die Bewohner des Hauses.
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Am Kiosk


Er hat die Ware sorgfältig in die Regale sortiert, nicht ein Zentimeter Platz in dem kleinen Raum wurde verschwendet. Sein Sortiment hält das Viertel sonntags am Leben. Chips, Süßigkeiten, Cola, Butter, Tütensuppen, Taschentücher und so ziemlich alles andere, was man am Ende des Wochenendes vermissen könnte. Eine Zeit lang hat er auch Brötchen verkauft, hat das aber wieder eingestellt. Zu oft habe er den Laden allein lassen müssen, um im Hinterzimmer die nächste Fuhre in den Ofen zu schieben, zu oft habe er Kunden enttäuschen müssen, weil die Brötchen schon ausverkauft waren.
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Auf halber Linie nach Stöcken

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Am Kröpke herrscht Samstagsgewusel, als die Linie 5 nach Stöcken einfährt. Mit den Menschen kommen auch eine Menge Einkaufstüten, zu laute Musik aus Kopfhörern und ein bellender kleiner Hund in die Bahn. Eine ältere Dame, die bereits in der Bahn gesessen hat, wirkt genervt. Am Steintor wird sie jedoch erlöst, Hund und Herrchen steigen wieder aus. Am Königsworther Platz verschwindet auch die laute Musik und die Vielzahl brauner Papiertüten aus dem Abteil. Die Dame atmet laut aus. Sie wirkt, als hätte sie zwei Stationen lang die Luft angehalten.
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Hogwarts

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Im Hauptgebäude der Leibniz Uni laufen ein paar panische Erstsemester von einer Tür zur anderen und immer wieder am Gang mit dem Schild „Prüfungsamt“ vorbei. Niemand hilft ihnen auf die Sprünge, die älteren Semester sitzen mit der Gelangweiltheit der fortgeschrittenen Studenten an den schwarzen Tischen um den Innenhof. Sie kauen Kaugummi, tippen auf ihren Laptoptastaturen und zucken nicht mal zusammen, wenn wieder einer der Erstis die Tür ins Schloss krachen lässt.
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Herbstsonntag

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Es ist Sonntag, die Sonne scheint und der Georgengarten ist voll. An jedem Baum posiert jemand für eine Kamera, Handys werden in Richtung der bunten Blätter gehalten, Hunde springen im letzten Moment vor den Reifen abgelenkter Radfahrer davon. Jogger schlängeln sich an den Posierenden vorbei. Je nach gelaufenen Kilometern rollen sie noch leicht genervt die Augen oder schnaufen und sehen nur auf den Meter vor sich. Ein kleines Kind wirft mit beiden Händen Blätter um sich und lacht. Der Vater liegt mit einer Kamera auf dem Boden, auf der Suche nach dem perfekten Fotowinkel.
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Auf halber Linie nach Empelde

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Am Hauptbahnhof kommen die einsteigenden Menschen noch nicht mit der wechselnden Jahreszeit zurecht, T-Shirt-Träger stehen neben Wintermänteln. Am Kröpcke steht ein Mann mit weißer Sonnenbrille und weiß gefärbten Haaren. Er trägt ein Shirt mit Elefantenprint und hält ein Bier in der einen Hand, ein Radio in der anderen. Das Radio ist still, der Mann nickt dennoch mit dem Kopf.
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