Entlang am Nord-Ostsee-Kanal

Stadtnotizen_Tiessenkai_Foto_MelanieWir starten irgendwo. Nein, das ist falsch. Wir starten an einem fixen Punkt und gehen ins Irgendwo. Wohin, wissen wir noch nicht. Erst einmal durch das Tannenberger Tiergehege, weil das immer ein guter Ausgangspunkt ist.

Nicht nur der Tiere wegen – Dammwild, Mufflon, Wildschweine, Raben- und Saatkrähen, ab und an ein Spechtpaar, das sich gegenseitig seine Qualitäten vortanzt – sondern auch wegen der hohen Bäume, der Kühle. Und der Gewissheit, dass vor 9 Uhr selten jemand auf Wanderung ist. Die anderen kommen in der Regel später. Im Grunde kommt alles später.

Das Getreidesilo am Nord-Ostsee-Kanal, das ruckartig an das Tiergehege grenzt und 2015 einen Monat lang brannte, hämmert der grünen Umgebung Industriechick ein. Aus dem obersten Fenster des zweithöchsten Gebäudes lehnt ein Mann. Bis dahin dachten wir, das Gebäude stünde mittlerweile leer. Sein Blick geht auf die Holtenauer Hochbrücke, die ehemalige Prinz-Heinrich-Brücke von 1902, die 1992-1996 im Stil der benachbarten Olympiabrücke erneuert wurde. Sie ist 42 Meter hoch, massiv und viel befahren und so oft wir darüber gefahren sind, so selten standen wir darunter. Darunter zu stehen, ist mit einem imposanten Gefühl verbunden.

An der Uferstraße wird es gleißend hell, zwischen den runden Tanklagern ist der Nord-Ostsee-Kanal kaum zu erkennen. An der Wiker Brücke wissen wir nicht, wie es weitergehen soll, also steigen wir in die Kanal-Fähre. Die Überfahrt dauert eine Minute, wir legen an der Holtenauer Brücke an und folgen einem älteren Pärchen. Es sind ja nur 1,6 Kilometer, sagt er zu ihr. Sie nickt beflissen.

Die Schleuse Kiel-Holtenau auf der Holtenauer Seite ist ein schöner Ort für Möwen, Gänsesäger, Nil-, Wild- und Graugänse. Idyllisch auch die Häuser am Kanal. Dass später eine Schar von Sonntagsausflüglern die Strecke zwischen Fähre und Tiessenkai nehmen wird, wissen wir noch nicht. Wir wissen auch nichts vom „Tag am Kai“ (TAK), als wir am Tiessenkai ankommen, Schorle trinken, uns den Leuchtturm Kiel-Holtenau ansehen und uns fragen, was ein Deutsche-Post-Stand am Fuße des Leuchtturmes soll. Was ein Deutsche-Post-Stand überhaupt soll. Dann sehen wir die Schmuck- und Rettet-unsere-Meere-Stände.

Wir lernen viel in Holtenau. Etwa, dass die Holtenauer Reede, vorbei an der 1907 eingeweihten und sehr schönen Seebadeanstalt Holtenau, dessen Betreiber der ersten Stunde Nichtschwimmer gewesen sein soll, einfach so endet. Oder, dass der Tiessenkai mit seinen kleinen Kontor- und Packhäusern seit 1976 nach Hermann Tiessen, einem Schiffsausrüster, benannt ist. Umso nostalgisch-maritimer ist es dort. Eigentlich wollen wir nicht weg. Aber es ist ja TAK und jetzt kommen neben den Senioren auch die Familien. Den gleichen Weg gehen wir nicht zurück. Das machen wir nie.

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