Zwei Pints in Galway


Fast läuft man am
The Crane vorbei. Das kleine weiße Haus an der Straßenecke wirbt nicht mit Leuchtreklame, hat nur ein einziges Fenster und eine Tür ohne „Open“-Schild. Drinnen sitzen eine Handvoll Männer an der Bar und nicken den Hereinkommenden zu. Der Wirt trocknet den ganzen Abend seelenruhig Gläser ab und reagiert auf jede Bestellung mit „Of course, my dear“. Es läuft leise irische Musik im Hintergrund.

Die Gläser auf dem Tresen enthalten Cider oder Guinness, nur einer der Männer hat ein kleines Glas Cranberrysaft vor sich stehen. Sie reden über den Geburtstag eines Freundes, gerade als dieser den Pub betritt. Die Runde verstummt augenblicklich, der Dazugekommene schaut sich um und fragt „Soll ich noch mal rausgehen, damit ihr weiterplanen könnt?“. Unter Gelächter wird er dazugewunken, der Wirt reicht ihm kommentarlos ein Glas Guinness. Man kennt sich hier. Auch die Toilettenverteilung gibt Aufschluss darüber, welches Publikum hier normalerweise verkehrt. Während die Örtlichkeiten für die Männer direkt hinter dem Schankraum zu finden sind, müssen die Frauentoiletten erstmal gesucht werden. Der Weg dorthin ist allerdings ein schöner Rückblick in die Geschichte des Pub. Das Treppenhaus ist voller Bilder mit Menschen aller Altersklassen, die mit Bier und Musikinstrumenten in der Hand in die Kamera grinsen.

Im The King’s Head später am Abend ist es auf allen drei Stockwerken gut gefüllt, Plätze gibt es trotzdem noch. An der Wand hängen Konzertplakate, Werbung für Galway Hooker Bier und T-Shirts mit dem Logo des Pubs. Die Barkeeper bewegen sich im Laufschritt hinter der langgezogenen Bar und mixen mit jeder Hand zwei Drinks aus dem riesigen Getränkeangebot. Wer an der Bar sitzt, hat keinen Tisch im Essbereich mehr bekommen und schaut grimmig im Raum herum, bis jemand aufsteht. Neben irischem Akzent sind auch amerikanisches Englisch und viel Deutsch zu hören. Die angekündigte Live Musik ist fast eine Stunde zu spät, es scheint aber niemanden hier zu stören. Es tönt stattdessen ein Rockpop-Mix aus den Lautsprechern. Am Nebentisch unterhält sich ein Pärchen über seine weiteren Reisepläne und vergleicht die Fotoausbeute auf den Kameras. „Die ganze Stadt hier ist ein einziges Postkartenmotiv“, sagt sie und hält ihm ein Foto des Hafens unter die Nase. „Ja“, antwortet er. „Ist trotzdem schön hier“.

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