Am Westensee

Westensee_Stadtnotizen_Foto_MelanieDie Sehnsucht nach Stille ist groß. Nach Stille und nach Ordnung. Der Wald ordnet sich selbst. Das Wasser verschluckt den Rest. Bis zum Ufer ist es ein mooriger Weg. An manchen Stellen weicht das Moos dem Matsch. Der Wind wirkt wie eine sanfte Begrüßung an traurigen Tagen.

Die Camper auf dem Naturcampingplatz Wrohe am Westensee richten ihre Frühstückstische nach der Sonne aus. Manch einer macht sich zu einem Morgenspaziergang auf, das Ziel sind die Sanitäranlagen. Am Häuschen neben der Schranke blinkt bunt ein Schild: „Open“. Offen ist auch der Rundwanderweg. Hoch geht es und ab. Bäume ragen mit gekippter Wurzel entblößt aus dem Boden. Fahrradfahrer heben ihre Mountainbikes über die Stämme. Sie sagen „Danke“ und „Hehe“. Zur Antwort jauchzen Spechte, „wie alte Waschweiber“. Kurz vor der Schleife, die der Rundwanderweg zum Rundwanderweg macht, steht ein Pärchen am Ufer. Er fotografiert das Wasser, sie hat die Hände in den Hosentaschen.

„Und wie geht es jetzt weiter?“, sagt sie.
„Ich bin noch nicht fertig“, sagt er.
„Kommt jetzt die Schleife?“
„Ich muss mich orientieren.“
„Wo sind wir?“
„Ich weiß es nicht.“
„Ist das ein Reiher?“
„Vielleicht.“

Sie geht, er bleibt. Der Wind bauscht den See kurz auf.

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