Auf halber Linie nach Stöcken

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Am Kröpke herrscht Samstagsgewusel, als die Linie 5 nach Stöcken einfährt. Mit den Menschen kommen auch eine Menge Einkaufstüten, zu laute Musik aus Kopfhörern und ein bellender kleiner Hund in die Bahn. Eine ältere Dame, die bereits in der Bahn gesessen hat, wirkt genervt. Am Steintor wird sie jedoch erlöst, Hund und Herrchen steigen wieder aus. Am Königsworther Platz verschwindet auch die laute Musik und die Vielzahl brauner Papiertüten aus dem Abteil. Die Dame atmet laut aus. Sie wirkt, als hätte sie zwei Stationen lang die Luft angehalten.

Kurz vor der Leibniz Uni scheint die Sonne durch die Fenster. Niemand steigt in der Station ein. Es sind Ferien, die meisten Prüfungen sind vorbei und kaum ein Student läuft vor dem Unischloss herum. Im Park gegenüber fahren Radfahrer an Joggern und Spaziergängern vorbei, irgendwo bellt schon wieder ein Hund. Die alte Dame zuckt. Am Schneiderberg steigt eine Mutter mit ihrem Kind ein, hat aber Schwierigkeiten, einen Platz zu finden, denn das Kind scheint einen bestimmten Sitz zu suchen. Als es schließlich zufrieden am Fenster Platz nimmt, ist die Bahn schon fast an der Appelstraße. Das Kind erklärt seiner Mutter seine ungewöhnliche Sicht auf Schokokekse (Schokolade: bäh, das Harte drüber und drunter: gut).

Der Parkplatz an den Herrenhäuser Gärten ist voll, das schöne Wetter zieht Besucher an. Rechts und links laufen Pärchen jeden Alters herum. An der Schaumburgstraße steigt eine Gruppe älterer Herren ein, lässt sich in einem Vierer nieder und diskutiert angeregt über Schach. Auf dem Weg zum Herrenhäuser Markt fährt die Bahn an einer Bibliothek vorbei, in der sich eine größere Gruppe Kinder aufhält. Ein paar Meter weiter steht eine Gruppe Teenager um einen Bücherschrank herum. In Herrenhausen wird noch gelesen. Am Bahnhof Leinhausen steht ein Junge mit „Kiss my airs“-Aufschrift auf dem Stoffrucksack und großen Kopfhörern von Beats auf den Ohren. Er sieht neben den Rollatoren und Rastas um ihn herum deplatziert aus.

An der Freudenthalstraße wartet ein Mann in kurzen Hosen und Sonnenbrille, eine Werbung an der Haltestelle wirbt für einen Reiseanbieter. Am mavi market gegenüber sind die Fenster vergittert. Am Stöckener Markt stehen neue Wohnhäuser neben alten, denen man immerhin einen neuen Glasbalkon verpasst hat. Rechts neben der Haltestelle scheint der nächste Block zu entstehen, im Haus dahinter ist durch das Fenster ein Mann im Unterhemd beim Renovieren zu sehen. An der Enhaltestelle Stöcken ist es ruhig. Die Menschen steigen aus und verschwinden schnell zwischen den Häusern. Das Grillrestaurant an der Haltestelle ist geschlossen. An seinem Dach sind eine große Metallgabel und ein Metalllöffel befestigt. Als es wieder zurück Richtung Stadtkern geht, bleibt eigentlich nur die Frage, welches Grillgericht denn eigentlich mit dem Löffel gegessen wird.

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