St. Peter-Ording im Winter

rebecca_stpeterording
Die Seebrücke ist lang, viel länger als wir es gewohnt sind. Wir stiefeln minutenlang über die gelbbraunen Salzwiesen, bis wir zum Strand kommen. Du fängst an zu seufzen, als du die weiße Weite siehst und wir laufen bis zu den Wellen. Wenn wir uns hier schnell um uns selbst drehen würden, wäre nur weiß zu sehen, als stünden wir nicht an der Nordsee sondern am Nordpol.

Unsere Namen schreiben wir nicht in den nassen Sand, das haben vor uns schon andere getan, wir nehmen einfach ihre Namen. Wir sind jetzt Carl und Lisa. Du beobachtest zum ersten Mal in deinem Leben Strandläufer und siehst dabei aus wie ein Kind mit einem neuen Spielzeug. Ich blinzele gegen die Dämmerung an und überlege bei jedem Foto, ob es die kalten Hände wert ist. Die Antwort ist immer ja.

Außer uns sind nur noch wenige Menschen am Strand, selbst die Hunde ziehen an den Leinen Richtung Seebrücke. Wir aber bleiben noch ein bisschen länger und stemmen uns gegen den Wind. Wir sind es gewohnt, dass die Zeit nie reicht, dass wir den Abschied immer noch ein bisschen rauszögern wollen, dass der Moment immer zu schnell vorbei ist. Unsere Zeit im Jahr ist nicht in Monaten bemessen, sondern in Stunden und Momenten, in denen wir mal schnell vor der Welt fliehen. Also halten wir fest, an der Kamera und an dem letzten bisschen Licht des Tages, auch wenn dieses Mal kein Abschied, sondern ein ganzes Wochenende auf uns wartet.

Die Pfahlbauten hinter uns sind schon kaum noch zu erkennen, nur das Restaurant ist hell erleuchtet. Die Karte verspricht heiße Schokolade, aber wir laufen daran vorbei auf die Lichter des Ortes zu. Irgendwo zwischen der ersten und der dritten Laterne kommt das Bewusstsein zurück, dass wir tatsächlich Pläne machen können, die sich nicht erst auf den Sommer, sondern schon auf den nächsten Morgen beziehen. Der Wind flaut ab, wir ordnen lachend unsere Haare und beschließen, dass kein Plan für den nächsten Tag zu haben der beste Plan ist.

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