Das Kieler Weihnachtsdorf

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Die Tage sind grau und von Nebel zerfressen. Auf dem Weihnachtsmarkt suchen Angestellte nach 17 Uhr gemeinschaftlich Trost. Sie stehen in den Gängen des neu eingerichteten Weihnachtsdorfes auf dem Rathausplatz und bejubeln das Leben, respektive ihren Glühweinkonsum.

„Was wir heute schon alles erlebt haben!“, resümiert eine junge Frau. Lachend legt sie den Arm um diejenige, die neben ihr steht. „Da war der Typ mit den Schlappohren, der Kerl mit diesen fettigen Haaren und der Ekel mit den Wurstfingern.“ Die andere nickt zustimmend. „Alles Idioten“, sagt sie, leicht wankend. „Allesamt“, bestätigt die junge Frau und drückt die andere fester an sich.

Vor einem Stand, der mit großen Plexiglasscheiben Einblick in die Standküche gewährt, stehen die Männer. „Hier gibt es Fleisch“, erklärt einer. Die anderen brummen. Sie behindern die Verkehr, neben dem Stand gibt es einen Ausgang, den einige erleichternd wirkend aufsuchen. Zahlreiche andere stehen auf der anderen Seite des Ganges neben einem üppigen Glühweinstand („Alter, ist der groß!“) und versuchen, über die Absperrung hinüberzuklettern. Tannenbäume und hohe Zäune verwehren den Überstieg, die meisten sind auf der Suche nach dem Klo.

Im Teezelt vor der Fleisch-Bude treffen sich langjährige Freundinnen und junge Familien. Die Tür kann man zuziehen, das Zelt wirkt wie ein wundersames Kleinod.

Vor dem Karussell stehen die Bürogemeinschaften, kollektiv in Anzügen und kollektiv mit den Rücken zu den fahrenden Pferden. Eine Frauengruppe erklimmt das Karussell. Eine von ihnen setzt sich auf eine wippende Kutsche und ruft fallend: „Mir fehlt das Gegengewicht!“

Vor dem Eingang zum Weihnachtsdorf stehen die Instagrammer und Fotografen. Die Köpfe im Nacken warten Familien auf Kilian, den fliegenden Wichtel. Ein Fotograf informiert, der Wichtel habe einen Unfall gehabt, für die Kogge werde auf Ersatzteile gewartet. Ein Kind weint. Der Rathausturm verschwindet in nebliger Dunkelheit, vom Asmus-Bremer-Platz hallen unverständliche Laute hinüber. „Es ist Zeit, nach Hause zu gehen“, sagt eine Frau, die einen kleinen Jungen in blauer Jacke und Hose mit grüner Mütze und Schal an der Hand hält. Der Junge schaut zu ihr auf und sagt leise: „Ist gut, Mama.“

 

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