An der Eider

Stadtnotizen An der Eider Foto Melanie

Kristalle legen sich sanft um unsere Hände, die Gesichter reiben wir aneinander. Die Eider liegt still in ihrem schmalen Bett. Sie ist der längste Fluss in Schleswig-Holstein und hat ihren Namen wahrscheinlich von Egidora, dem lateinischen Namen für den altnordischen Meeresriesen Aegir. Mundartlich ein Tor des Schreckens, vielleicht aber auch eine Meerestür. Wir einigen uns auf Meerestür.

Im Nebel sehen wir einen buckligen Reiher, er steht auf einem Ast, der sich über den Fluss neigt. Stockenten wirbeln das Wasser. Der Atem klebt sichtbar neben unseren Köpfen. Wir rätseln, ob hinter der Nebelwand der Mond oder schon die Sonne zu sehen ist. Das Foto ist auf natürliche Weise überbelichtet. Der Kontrast ist zu schwach, sagst du. Das ist der Nebel, sage ich. Ja, der Nebel. Die Rotkehlchen inspizieren die Gehwege. Wir beobachten sie lange, manchmal wippen wir. An der Eider fehlen die Eiderenten, sagst du. Eiderenten gehören aber zum Schreckenstor, sage ich. Eiderenten blicken stumpf, nickst du. Und böse, ergänze ich. Ja, sehr böse. Ein einzelnes Liebesschloss hängt an den Gitterstäben des Geländers an der Brücke, die in den nächsten Ort führt. Im nächsten Ort sehen wir einen Mäusebussard. Jemand hat in seinem Garten ein Lagerfeuer gemacht. Jemand verbrennt Möbel. Als wir am Waldparkplatz ankommen, fallen plätschernd die Blätter. Der Frost tröpfelt. Die Sonne ist da.

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