Auf halber Linie nach Empelde

rebecca_empelde
Am Hauptbahnhof kommen die einsteigenden Menschen noch nicht mit der wechselnden Jahreszeit zurecht, T-Shirt-Träger stehen neben Wintermänteln. Am Kröpcke steht ein Mann mit weißer Sonnenbrille und weiß gefärbten Haaren. Er trägt ein Shirt mit Elefantenprint und hält ein Bier in der einen Hand, ein Radio in der anderen. Das Radio ist still, der Mann nickt dennoch mit dem Kopf.

An der Haltestelle Markthalle/Landtag sind Kreissägen zu hören, ein Plakat am Bahnsteig bewirbt der Weissheit letzten Schliff. Auf dem Weg zum Waterloo beginnen drei Leute Telefongespräche, jeder in einer anderen Sprache. Die Werbung am Bahnfenster wirbt für einen Sprachkurs. Die Sonne blendet am Schwarzen Bären, automatisch drehen die Fahrgäste die Gesichter Richtung Licht. Am Lindener Markt steigen Schüler ein, sie unterhalten sich laut über die Hausarbeit, die sie über die Herbstferien schreiben sollen. „Ich mach mit Jamie, der will eh immer alles selber machen, voll easy!“ Vor dem Café Kaffeepause sitzt ein Pärchen und sieht sich verliebt in die Augen, an der Haltestelle Nieschlagstraße streitet eine Mutter mit ihrem Kind.

An der Bernhard-Caspar-Straße verwandelt sich das Grün vor dem Fenster allmählich in Gelb. Der Herbst ist noch nicht ganz da, die Ferien aber schon und inzwischen redet das halbe Abteil von Urlaubsplänen. Am Lindener Hafen sieht es gar nicht nach Hafen aus, nur ein Typ mit einem Steuerrad auf dem Poloshirt steigt aus. Am Bauweg steigen zwei Mädchen mit einem großen Karton ein. Sie kriegen ihn kaum gehalten und steigen am Körtingsdorfer Weg direkt wieder aus. Gegenüber weht eine Regenbogenflagge über einem der Kleingärten. Am Soltekamp steht eine Gruppe Männer in Warnwesten neben einem Schild, dass den geplanten Hochbahnsteig ankündigt. Sie diskutieren mit Händen, Füßen und Klemmbrettern. An der Eichenfeldstraße steht an der Apotheke „Lassen Sie es sich gut gehen“, am Wurst-Basar gegenüber steht „geöffnet“. Am Safariweg stehen statt Jeeps und Giraffen alte VW-Modelle. Auch der Parkplatz des Sonderpostens neben der Haltestelle Hermann-Ehlers-Allee ist voller Autos, Menschen sind keine zu sehen. Niemand steigt aus. In Empelde leert sich die Bahn. Eine Frau in pinker Samtjacke, bunter Leggings bleibt vor dem Kiosk mit der blinkenden „Kaffee to go“- Anzeige stehen und redet auf eine rauchende Busfahrerin ein. Der Kioskbesitzer beobachtet die Szene, zuckt mit den Schulter und schließt die Tür hinter sich. Die Bahn fährt ab.

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