Dresden

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Im Dresdner Zwinger läuft ein Barockpärchen herum. Sie tragen bunte Kleidung aus einem vergangenen Jahrhundert, sie im Reifrock, er mit Perücke und Strumpfhosen. Sie lächeln in die Runde und winken nach links und rechts, werden von den Passanten aber nur mit gutmütigem Desinteresse bedacht. Kameras blitzen in Richtung der Barockfassade, Kinder werden vor Fontänen platziert um die perfekten Urlaubsgrüße für die Oma zu knipsen. Ein Hund bellt aufgeregt hinter einer Amsel hinterher.
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Herbstsonntag

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Es ist Sonntag, die Sonne scheint und der Georgengarten ist voll. An jedem Baum posiert jemand für eine Kamera, Handys werden in Richtung der bunten Blätter gehalten, Hunde springen im letzten Moment vor den Reifen abgelenkter Radfahrer davon. Jogger schlängeln sich an den Posierenden vorbei. Je nach gelaufenen Kilometern rollen sie noch leicht genervt die Augen oder schnaufen und sehen nur auf den Meter vor sich. Ein kleines Kind wirft mit beiden Händen Blätter um sich und lacht. Der Vater liegt mit einer Kamera auf dem Boden, auf der Suche nach dem perfekten Fotowinkel.
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In der Sauna

Sauna Symbolfoto Melanie

Die Tür geht auf, jemand seufzt erleichtert. Es folgt das Geräusch von klimpernden Schlüsseln, dazu mischt sich der schabende Laut von Füßen, die in Flip Flops schlüpfen und sich im Anschluss schlurfend entfernen. Kurze Zeit später wiederholt sich das gleiche Klangspiel in umgekehrter Reihenfolge: Lauter werdende Schlurfgeräusche, Füße, die aus Flip Flops schlüpfen, das Geräusch klimpernder Schlüssel, das Öffnen der Tür – dann: Dampf und Stimmen.

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Wish Trees

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Weiße Etiketten hängen in den jungen Bäumen, die entlang der Hafenkante der Papierinsel aufgestellt sind. Vereinzelt stehen Menschen zwischen den Ästen und knoten weitere Zettel zwischen die Blätter. In der Mitte des kleinen Waldes steht ein Tisch mit einem Stapel Papier, ein paar Stiften und einer Rolle Draht. Darunter zieht sich der Schriftzug Wish Trees um den Tisch.
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Kommt ein Saarländer in eine Kieler Bäckerei

Bäckerei Symbolfoto Melanie

„Moin.“
„Moin. Was darf’s sein?“
„Ich nehm das Flûte.“
„Das was?“
„Das Flûte. Oder warten Sie, auf dem Schildchen steht ‚Flute‘.“
„Flöte.“
„Bitte?“
„Das heißt Flöte.“
„Dann die Flöte.“ Die Bäckereiverkäuferin greift nach der Auslegeware. „Moment! Das ist kein Flûte, das ist ein Ficelle.“
„Und was ist das?“
„Nicht das, was ich will.“
„Herrje, was wollen Sie denn?“
„Das daneben. Das Flûte.“
„Das ist ein Schiffchen!“
„Jetzt nehmen Sie mich aber hoch.“
„Wohin soll ich Sie mitnehmen?“
„Geben Sie mir einfach das Boot!“

 

Notizen aus Kopenhagen

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Ein sonniger Herbsttag in Kopenhagen, der Himmel ist strahlend blau. Die Fußgängerzone ist voller Menschen, sie tragen offene Mäntel und Sonnenbrillen. Am Storchenbrunnen sitzt ein offensichtlich betrunkener Mann mit einem Bier in der Hand. Er trägt kein Shirt, weswegen jeder seinen braungebrannten Oberkörper mit dem „One Life One Chance“ – Tattoo sehen kann. Auf seinem Rücken, direkt unter seinem Tattoo, stehen dänische Worte mit blauem Edding geschrieben. Er redet ohne Unterbrechung, es ist nicht ganz klar, mit wem. Als keiner reagiert, lässt er sich zurückfallen, einen Moment sieht es aus, als würde er in den Brunnen fallen. Stattdessen stützt er sich mit einer Hand ab und sammelt mit der anderen die Münzen aus dem Wasser. Er schenkt sie den drei Teenagern, die ihm am nähesten stehen und grinst.
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