Die Prinzeninsel im Plöner See

Prinzeninsel Plön Foto Melanie

Wir starten früh. Das rechnen uns die Plöner an. Auf dem Weg zur Prinzeninsel grüßen uns Gassigeher, Vormittagsjogger und eifrige Rentner. Sie sagen „Moin“, wir ziehen das „oin“ in die Länge. Das haben wir gelernt, das machen wir jetzt so. Als uns einer mit einem schnellen „Moin Moin“ überholt, müssen wir uns beraten: Sagt man hier etwa schon „Moin Moin“? Aber wir sind doch nicht in Hamburg! Am Ende bleiben wir bei „Mooiiiinnnn“, das fröhlich-schnattrige „Moin Moin“ liegt uns nicht.

Wir hoffen auf Rohrdommeln und Kleinspechte. Aber die Rohrdommelbucht am Plöner See ist nicht einsehbar und die Kleinspechte bevorzugen Erlen. Wir finden keine Erlen. Dafür gibt es auf dem zwei Kilometer langen Weg überall Hinweistafeln über das Vorkommen und Leben von Waldtieren – und das Planetensystem. Der „Plöner Planetenpfad“ präsentiert uns Uranus und Neptun. Für den Rest war die Insel wohl zu klein. 1881 wurde der Seewasserspiegel künstlich abgesenkt, seitdem gibt es die Insel in der jetzigen Form, informiert uns ein Flyer des „Niedersächsischen Bauernhauses“. 1910 kaufte Kaiser Wilhelm II. die Insel und ließ hier seine Söhne unterrichten. Da, wo einst Kronprinz Wilhelm und sein Bruder Prinz Eitel Friedrich schwimmen lernten, sitzen jetzt DLRG-Mitglieder und frühstücken. Der Strand ist schmal, der Ausblick einmalig. Mehlschwalben kreisen über den Köpfen der Rettungsschwimmer. Die ersten Badegäste glätten ihre Strandtücher. 200 Meter weiter ist die Spitze des Südufers erreicht, der Lieblingsplatz der Kaiserin Auguste Victoria. Ein Baum markiert die äußerste Stelle, die Sonne glitzert auf dem See. Mit Blick auf das „größte Binnengewässer Schleswig-Holsteins“ denke ich, der Hinweispfeil „Lieblingsplatz der Kaiserin“ sollte in „Lieblingsplatz“ geändert werden, sonst müssten ja alle Kaiserinnen werden. Beim „Niedersächsischen Bauernhaus“ grasen die Schafe, das Restaurant hat noch geschlossen. Auf dem Rückweg schauen wir uns den Kadettenfriedhof an und suchen nach Fallobst im Alten Apfelgarten. Das darf man mitnehmen, auf eigene Gefahr. Die ersten Ausflügler und Exkursionsgruppen kommen uns entgegen. Niemand sagt mehr „Moin“ oder „Moin Moin“. Der Morgen ist vorbei und die Prinzeninsel für den Rest des Tages Touristengebiet.

 

 

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