Amsterdam

Rebecca_Amsterdam
Sein Name ist Neil und er kommt aus Kanada. Eigentlich studiert er. Eigentlich müsste er damit auch schnell fertig werden, denn die Studiengebühren sind hoch. Stattdessen steht er auf einem rot-grünen Holzboot mitten in Amsterdam, steuert mühelos durch das Labyrinth der Grachten und erzählt uns die Geschichte der Stadt.

Um in Neils Boot steigen zu können, muss man sich in eine Liste eintragen, die in der Ecke eines Clubs liegt, in dem abends Kabarettveranstaltungen stattfinden. Wir scheinen die Einzigen zu sein, die diesen Tipp im Internet gefunden haben. Der Rest der Passagiere kennt sich untereinander und ist entweder mit dem Besitzer des Bootes befreundet oder verwandt. Sie haben Kaffee mitgebracht und teilen ihre Kekse mit uns. Ihr Englisch ist schlecht, aber sie lachen laut, vor allem über ihre eigenen Witze.

Auf dem Weg zum Anne-Frank-Haus fahren wir unter zahlreichen Brücken hindurch. Auf jedem Brückenpfeiler sitzt eine blaue Krone und wir müssen Neils Erklärung nicht erst hören, um zu wissen, warum. Wir kommen am schmalsten Haus der Welt vorbei, es ist kaum breiter als seine Eingangstür. „Nichts für Menschen, die gern essen“, witzelt Neil. Das Ehepaar neben ihm kichert und der Mann streichelt liebevoll seinen Bauchansatz.

Wir müssen einem der Touristenboote ausweichen. Es hat ein Glasdach und sieht ein bisschen aus wie ein schwimmendes Terrarium. Die Menschen hinter den Scheiben sehen die Grachten nur durch ihre Spiegelreflexkameras. Einige von ihnen werden wohl erst zuhause merken, dass auf jedem ihrer Bilder eine Blitzlichtspiegelung zu sehen sein wird. „Bei Regen ist so ein Glasdach schon praktisch“, bemerkt die Frau neben mir. „Bestimmt“, antworte ich und blinzele im Sonnenlicht. Ich bin längst verliebt in die Stadt und schmiede Pläne, einfach hier zu bleiben. Neil scheint es mir anzusehen. „Es lebt sich hier ziemlich gut, allerdings nur die Hälfte des Jahres. Ich rate jedem, im Frühling herzukommen, den Sommer zu genießen und sich möglichst vor dem Winter wieder vom Acker zu machen“. Er wird es auch so machen. Diesen einen Sommer noch, dann geht es für ihn zurück in die Heimat und an die Uni. „Wahrscheinlich“, sagt er und grinst.

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