Unterwegs mit der Kita

Linie 42 Kiel Foto Melanie

Es ist noch früh, die meisten Fahrgäste starren auf ihre Smartphones oder ins Leere. Ihre Körper ruckeln im Rhythmus des Busses, der sich den Takt vom unebenen Belag der Feldstraße vorgeben lässt. Kurz vor der Haltestelle Homannstraße schaut einer der Fahrgäste versonnen von seinem Smartphone auf. Er blickt aus dem Fenster, gähnt, streckt sich ein wenig. Dann hält er schlagartig inne, schnappt nach Luft und schaut sich mit weit aufgerissenen Augen im Businneren um. Als er keine Lösung für sein Problem findet, greift er wieder zu seinem Smartphone. An der Homannstraße stehen 30 Kinder.

Die Türen der Linie 42 gehen auf, eine Frauenstimme ist zu hören: „Und jetzt: los!“ Die Kinder stürmen lauthals den Wagen. Ein freier Platz wird von mindestens drei quietschenden und lachenden Kindern besetzt. Sie tragen Pferdeschwänze und Gummistiefel. Fast alle sind blond. Die Fahrgäste haben sich in der kurzen Zeit zwischen dem Busstopp und dem Öffnen der Türen in zwei Lager gespalten: Die einen halten die Köpfe gesenkt, die anderen geben ihre Plätze frei und fassen nach den roten Haltestangen. Die Kinder sind aufgeregt und schauen aus den Fenstern. Der Bus fährt an, die Kleinen quittieren es mit einem Jauchzen. Autos, die hinter dem Bus herfahren, werden verwünscht. Als der Bus die Forstbaumschule passiert, beginnt das Rattern. Es liegt jetzt Kopfsteinpflaster auf dem Weg. Die Kinder klappern mit ihren Zähnen. Das Maritim Hotel wird mit überstreckten Köpfen begrüßt und als der Bus den Weg zur Förde hinunterfährt, ruft ein Kind übermütig: „Hier war ich schon mal!“ Die Erzieherinnen müssen leise lachen, im nächsten Moment rügen sie die Kleinen: „Nicht so laut! Hier sind noch andere Fahrgäste.“ Ein Mädchen mit einem blauen Rucksack schaut eine der Erzieherinnen an: „Was ist ein Fahrgast?“ „Du bist ein Fahrgast“, sagt die Erzieherin. Das Mädchen runzelt die Stirn.
Eine Gruppe Jungs hat ein Kreuzfahrtschiff entdeckt, das den Ostsee- oder Schwedenkai ansteuert. „Schneller“, rufen sie dem Busfahrer zu. „Wir müssen schneller sein als das Schiff!“ Der Busfahrer hält an Bellevue.
„Leo, drück mal!“, sagt eine Erzieherin. Der Junge hört nicht. „Leo, du sollst den roten Knopf drücken.“ Der Junge drückt nicht. Die anderen 29 Kinder und die Erzieherinnen werden nervös. „Leo, du musst jetzt drücken, sonst hält der Bus nicht!“ Leo ist verwirrt, ein Junge neben ihm drückt den Knopf, der Bus fährt die Haltestelle Kunsthalle an. „Ich geh mal lieber aus der Schusslinie“, sagt eine Frau zu einer der Erzieherinnen. Die lächelt breit: „Besser ist das.“ Draußen werden die Kinder gezählt, als die Zahl 30 ertönt, schließen sich die Türen des Busses. Die Fahrgäste mit den gesenkten Köpfen schauen zaghaft auf. Ein Handy klingelt.

 

 

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