Christopher Street Day 2016

Rebecca_CSD
Den Weg zum Startpunkt der Parade zu finden, ist nicht schwer. Die Lange Reihe ist voll mit Menschen, die Regenbogenflaggen bei sich tragen. Einige in der Hand, einige als Superheldencape um den Hals. Am Straßenrand werden kostenlos Schilder verteilt, auf denen zwischen „Vielfalt statt Einfalt“ und „Nicht lang schnacken, Kirsche knacken“ so ziemliche jede Form von Botschaft steht. Auch wer ohne jedes Erkennungszeichen zur Parade kommt ist innerhalb von zehn Minuten eingedeckt.

An der einen Ecke knallen Konfettikanonen, an der anderen Sektkorken – es geht los. Die Masse, die sich hinter den Initiativen in die Parade einreiht, ist bunt gemischt. Komplett Kostümierte laufen neben Pärchen im Parka, Teenager mit Glitzer im Gesicht neben Anzugtypen. Ein Mann trägt ein Kind auf den Schultern, das ein Bienenkostüm trägt. Es lacht seine Mama an, die daneben steht und Fotos mit ihrem Handy knipst. „Dürfen die überhaupt hier sein?“, murmelt ein Mann am Straßenrand mit Blick auf die drei. „Jeder darf hier sein, darum geht’s doch!“, antwortet ihm ein Anderer im Vorbeigehen. Der Mann guckt verwirrt.

Weiter hinten in der Reihe dreht sich eine Drag Queen im goldenen Ballkleid zu einer kleinen alten Dame in beiger Jacke um. „Mutti, findest du es nicht auch etwas ruhiger als letztes Jahr?“ Die Dame zuckt mit den Schultern. „Ach Kind, wir waren schon so oft hier, das ist doch jedes Jahr anders“. Sie werden unterbrochen, weil der schwule Männerchor die Musik aufdreht. Justin Timberlake schallt aus den Lautsprechern und zwei Dutzend Männer im Glitzershirt und mit Krone auf dem Kopf beginnen zu tanzen. Es dauert keine zehn Sekunden und die komplette Masse hinter ihnen macht mit und zieht synchron die Arme schwenkend durch die Innenstadt.

An jeder Ecke werden Sticker verteilt – gegen Homophobie und Transphobie, für die Wahrnehmung Asexueller und Bisexueller oder für die gleichgeschlechtliche Ehe. Ein Mann in schwarzen Klamotten hat sie alle auf seinem Shirt kleben. Er sieht aus wie eine wandelnde Litfaßsäule und grinst jeden der Vorübergehenden an. Am Straßenrand stehen auffällig viele ältere Männer und Frauen, einige schauen verwirrt, die meisten tanzen aber im Takt mit und blitzen mit ihren Digitalkameras. Als die Parade in der Mönckebergstraße längere Zeit zum Halten kommt, gehen viele Passanten mit Einkaufstüten vorbei. Zwei Mädchen mit H&M – Tüten in der Hand schauen mit hochgezogenen Augenbrauen auf eine Gruppe Jungs mit „Gay is okay“-Shirt. Doch als plötzlich „Barbie Girl“ aus den Lautsprechern schallt und beide Gruppen gleichzeitig anfangen mitzusingen, lachen die Mädchen doch. Sie winken zum Abschied, als sich die Gruppe wieder in Bewegung setzt. „Geht doch!“, grinst einer der Jungs und stimmt wieder in die Choreografie ein.

Ein Gedanke zu “Christopher Street Day 2016

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