Hildesheim

Rebecca_Hildesheim
Ich bin in einer Kleinstadt an der Ostsee geboren worden. Als Kind fand ich nichts besser, als durch die umliegenden Wälder zu toben und noch heute sitze ich – nicht nur auf Heimatbesuchen – am liebsten am Meer. Aber wie wohl jedem Teenager wurde es mir in dem 11.000 Einwohner – Städtchen schnell zu eng. Hildesheim mit seinen knapp 100.000 Einwohnern erschien mir da anfangs fast schon großstädtisch.

Zwar gibt die Stadt wirklich kein besonders großes Angebot an Clubs und Szenekneipen her, aber durch die kreativen Studiengänge ein kulturelles Angebot, dass mir vollkommen neu war. Mit großen Augen wanderte ich von Lesung zu Konzert zu Ausstellung. Mir machte es nichts aus, dass man eigentlich nur in der KuFa tanzen gehen konnte und es nur in der Wohnzimmer-Kneipe Moscow Mule gab. Das Gute am Aufwachsen in der Kleinstadt ist ja die Fähigkeit, aus jedem Ort das Beste machen zu können. Ich verbrachte die Sommer mit Grillpartys an der Innersten, Schwimmen im Hohnsensee und vielen kleinen Festivals in der Umgebung. Auch die Winter gingen mit Poetry Slams und Feuerzangenbowlenabenden schnell vorüber. Mit den richtigen Menschen ist es egal, in welcher Stadt man wohnt.

Aber wie immer, wenn man sein Stadtgefühl an Menschen hängt, gibt es ein Problem – wenn diese Menschen weg sind, wird die Stadt grau. In meinem letzten Studienjahr zerfiel Hildesheim für mich mehr und mehr zur Geisterstadt. Ich nutzte jede Gelegenheit zur Flucht, an die Küste, nach Kiel, nach Hamburg. Letztere wurde schließlich zur Heimatstadt, kurz danach auch Hannover.

In Hildesheim war ich trotzdem noch ein paar Mal, um die letzten Studienfreunde aus der Stadt zu verabschieden. Dort geblieben ist kein einziger, die Stadt ist für die meisten Studierenden eine Durchgangsstation. Aber sie ist auch ein Verstärker. In einer Großstadt wäre ich nicht gezwungen gewesen, selbst Dinge auf die Beine zu stellen, sie wären einfach da gewesen. In einer Großstadt hätte ich nicht angefangen, Konzerte und Lesungen zu organisieren, ich hätte keine Buchprojekte realisiert und ich hätte viele Dinge nicht gesehen, weil ich die spannenden Seiten der Stadt nicht erst hätte suchen müssen. Hildesheim prägt jeden, weil es zu klein ist um ein gesichtsloses Straßenkonglomerat zu sein, aber zu groß um ignoriert werden zu können. Und genau deswegen würde ich die Zeit dort nicht missen wollen.

*Die Idee für diesen Text wurde von einem Beitrag des Städteblogs Les Flaneurs inspiriert, den Ihr unbedingt kennen solltet!

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3 Gedanken zu “Hildesheim

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