Auf der Bank

Rebecca_Ihme
Die Februarkälte hängt noch in der Luft. Sonne steht tief, aber sie scheint. Spaziergänger werden von Joggern überholt, Hundebesitzer von ihren Tieren. Ein Pärchen kommt den Weg entlang. Er redet, sie friert. Als er mit ausladenden Gesten von seinem Studium erzählt, lächelt sie still und zieht den Schal über ihre Nasenspitze.

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Im Kaufhaus König – ein Werktext

Kaufhaus Koenig Foto Melanie

„50 Meter“ steht auf einem pfeilförmigen Schild. Das Schild ist an der linken Wandseite einer Einfahrt angebracht. Man sieht es nur, wenn man bereits die Entscheidung getroffen hat, sich von der Lister Meile abzuwenden und die Einfahrt zu betreten. Der Pfeil lotst in den Hinterhof. Links eine Mauer, rechts eine Garagenreihe. Ein Mann geht im Hof auf und ab, er telefoniert. Am Ende des kleinen Hofes steht ein Gebäudekomplex. Es gibt zwei Treppenaufgänge, einer führt in das Haus, auf dem an der Außenfassade zum Hof in roten Lettern „Kleidermarkt“ steht. Über den Hof schallt der Gesang einer Kohlmeise. Mir gefällt der Eingang. Hier könnte man auch leben, denke ich und betrete das Kaufhaus König.

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Pendeln

Rebecca_HHHafen
Ich fahre jobbedingt mehrmals die Woche zwischen Hannover und Hamburg hin und her. Das ist genauso anstrengend wie es klingt, aber tauschen würde ich es nicht. Dieser Zustand ist der Kompromiss zwischen einer Lebenssituation, die ich nicht aufgeben will und einer Herzstadt, die ich nicht loslassen kann.
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Ziegelsteinrosetten auf der Lister Meile

Lister Meile Bild Melanie

Seit heute kenne ich die Geschichte des Körtingbrunnens an der Lister Meile. Zuvor habe ich den Brunnen einfach als das wahrgenommen, was das Ding im Alltag auch ist: ein Spielplatz für Lister Kinder. Dass die Brunnenfiguren auf „Ziegelsteinrosetten“ stehen, weiß ich dank Wikipedia. Den Begriff habe ich nun freudestrahlend in meine Wortschatzkiste gepackt, sofort bereit, den Begriff im nächsten halbwegs intelligenten Gespräch mit irgendjemandem über irgendwas, fallen zu lassen. Ziegelsteinrosette klingt wie Mettwurstbogen, könnte ich dann sagen. Oder wie Backsteinexpressionismus. Das würde architektonisch gesehen vielleicht sogar annähernd passen. Nein? Dein Gesicht sieht auf einmal so ziegelsteinrosetten-rot aus. Geht es dir nicht gut? Ach, jetzt werd mal nicht backsteinexpressionistisch.

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Hildesheim

Rebecca_Hildesheim
Ich bin in einer Kleinstadt an der Ostsee geboren worden. Als Kind fand ich nichts besser, als durch die umliegenden Wälder zu toben und noch heute sitze ich – nicht nur auf Heimatbesuchen – am liebsten am Meer. Aber wie wohl jedem Teenager wurde es mir in dem 11.000 Einwohner – Städtchen schnell zu eng. Hildesheim mit seinen knapp 100.000 Einwohnern erschien mir da anfangs fast schon großstädtisch.
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Nachts am Aegi

Am Aegi - Bild: Melanie

Es ist 5.19 Uhr. Auf der ersten Ebene der unterirdischen Haltestelle am Aegidientorplatz stehen vereinzelt Menschen. Sie schweigen. Vorne am Bahnsteig in Richtung Stadtmitte steht ein älterer Mann in einer jägergrünen Jacke. Er starrt einen weißen Fleck auf dem Ziegelstein-Boden an. Dann schabt er mit seiner rechten Turnschuhspitze mehrfach über den Fleck. Der Fleck bleibt. Der Mann zieht seinen Fuß zurück.

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