Auf halber Linie nach Ahlem

Rebecca_S10 Ah
Die Stadtbahn steht am Aegidientorplatz. Kurz vor Abfahrt steigen ein paar Schulkinder ein. Ihre Blicke richten sich auf Smartphonebildschirme, auf denen sie bunte Kugeln hin und her schieben. Am Thielenplatz steigen zwei Frauen dazu. Eine von ihnen trägt ein in Plastik verpacktes Kleid, grinst selig und reagiert nicht auf ihre aufgeregt plappernde Begleitung.

Am Hauptbahnhof spiegelt sich die Nachmittagssonne in den Scheiben des Bahnhofsgebäudes. Die Bahn füllt sich mit vielen Menschen und sehr vielen Einkaufstüten. Am Steintor steigen mehrere Eltern mit Kindern ein. Ein Junge springt sofort wieder von seinem Sitz auf, als eine Schwangere den Waggon betritt. Der Vater schaut zufrieden. Am Clevertor patscht ein Kleinkind mit grünem Schneeanzug und grüner Teletubbiemütze so laut gegen die Scheibe, dass das Pärchen auf dem Bahnsteig zusammenzuckt. Das Kind lacht.

Am Goetheplatz steht ein herrenloser Einkaufswagen auf dem Rasenstück neben dem Eichamt. Eine Gruppe Halbstarker wirft aus ein paar Metern Entfernung Schneebälle in den Korb. Ein von ihnen rutscht beim Werfen aus und landet im Schnee. Der Teletubbie lacht. An der Glocksee guckt Leonardo DiCaprio grimmig vom Filmplakat, hinter ihm steigt Rauch aus zweien der drei warmen Brüder auf. Am Ihme-Zentrum ist kein Mensch zu sehen. An der Seite des Komplexes hängt ein großes Plakat mit der Aufschrift „Landeshauptstadt Hannover“. Die Bahn fährt um die Kurve zum Küchengarten, ein Großteil der Menschen steigt aus. Zurück bleibt der Geruch nach Kaugummi. An der Leinaustraße steigen auch der Teletubbie und sein Vater aus. Sie bleiben vor einem libanesischen Imbiss stehen, gehen dann aber doch in den Naturkostladen.

In einem der Fenster an der Ungerstraße hängt eine Jamaica-Fahne. Dahinter hört die Stadt kurz auf wie eine auszusehen, die Häuserzeilen werden von Baumgruppen abgelöst. Vor der Kurve zur Wunstorfer Straße ist jedoch zwischen Penny und Polizei schon wieder eine Baustelle zu sehen. Ein Mann steigt hier aus, bleibt jedoch auf den Stufen der Bahn stehen, bis ein heraneilender Junge es in den Waggon geschafft hat. Die Bahn fährt laut klingelnd an, der Junge nickt dem Mann aus der halbgeschlossenen Tür zu. „Mir ist es eingefallen, als ich mit dem Fahrrad fuhr“ steht in weißer Schrift auf einer roten Wand kurz vor der Harenberger Straße. Ein Gruppe älterer Damen steigt an der Brunnenstraße ein und setzt sich in einen Vierer. Sie erzählen sich Schelmengeschichten aus ihrer Kindheit und kichern. „Aber wir waren nie zu Erwachsenen frech“, sagt die eine schließlich. Ernstes Nicken der Runde.

An der Ehrhardtstraße steht eine Gruppe von Jugendlichen im Kreis und hat ganz vergessen cool zu tun. Ein Mädchen hat einen kleinen Hund dabei, der jedem in der Runde nacheinander Pfötchen gibt. Ein Mann in schmutzig-blauer Latzhose beobachtet das Tier vom Waggon aus und grinst. Vor dem Eingang des Kiosk an der Endhaltestelle Ahlem steht ein Preisschild. Der Kaffee kostet hier nur halb so viel wie an der Tankstelle gegenüber. Das Open-Schild blinkt. Auf der Anzeige der Bahn auf dem Nachbargleis steht „Gute Fahrt“.

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