Erinnerungen aus New Orleans

Rebecca_New Orleans
In meiner Schreibtischschublade liegen zwei Papiertüten voller Fotos. Sie sind fast zehn Jahre alt und zeigen Erinnerungen aus New Orleans. Ich sehe sie nur selten an, weil ich sonst Fernweh kriege und Hunger auf Jambalaya. Wenn aber eines von beidem sowieso schon da ist, breite ich die Bilder auf dem Tisch aus und suche mir die liebsten Erinnerungen raus.

Der Hinflug über Atlanta mit einem einheimischen Musiker, der ein Jahr zuvor bei uns zu Gast war und dadurch von Hurrikan Katrina verschont blieb. Ankommen in New Orleans und schon am Flughafen spielte der erste Mensch Saxophon.

Die Auftritte in der Kirche des Musikers, die den Hurrikan auch überstanden hat, aber nicht unbeschadet. Das Geld, das wir für die Renovierung der Kirche erspielten. Die Auftritte im Umland, bei denen wir als „Band from East Germany“ angekündigt worden sind und jemand uns fragte, ob die Mauer noch steht.

Der Superdome und das Gefühl, mitten in dieser riesigen, leeren Arena ganz winzig zu sein. Der Blick vom Balkon des Hotelzimmers auf Superdome und die City Hall, die zwischen den umgrenzenden Hochhäusern auch ganz winzig wirkte.

Das kleine Oktoberfest in einem der Viertel, auf dass wir eingeladen wurden, weil wir uns doch bestimmt über ein Stück Heimat freuen. Die Brezel, die ich mir bestellt habe, und die der Verkäufer vor der Übergabe noch in die Fritteuse gesteckt hat. Das Lachen des einheimischen Musikers über meinen Gesichtsausdruck.

Die Bourbon Street, die noch in Mardi Gras – Stimmung war. Die vielen Menschen, die uns Glitzer und bunte Perlenketten zuwarfen. Die Band in einem der Musikclubs, die Sweet Home Alabama so großartig coverte, dass ich nie wieder etwas anderes singen werde als Sweet Home Louisiana.

Der Jackson Square und die Musiker, die sich dort spontan zusammenfanden. Das Jambalaya und die Po’boy Sandwiches überall in der Stadt. Die Abende am Mississippi, an denen die Brücke über dem Fluss beleuchtet war wie ein Weihnachtsbaum.

Die Schilder an den vom Hurrikan zerstörten Häusern. I am coming home. I will rebuild. I am New Orleans. Der einheimische Musiker sagt, du kannst den Menschen hier zwei Dinge nicht wegnehmen: ihre Musik und die Liebe zu ihrer Stadt.

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