Leipzig

Rebecca_Leipzig

‚Beinahe‘ ist das Wort, mit dem unsere Geschichte begann. Beinahe hätte ich diesen Studienplatz angenommen, beinahe wärst du Heimat geworden. Es kam anders. Ein Lieblingsort bist du trotzdem geworden.

Du bist der Ort, an dem die Uhren für mich stehen bleiben und an dem nichts anderes wichtig ist, als genau in diesem Moment bei genau diesen Menschen zu sein. Du bist schön und das weißt du. Du bist cool, aber du wolltest nie Berlin sein. Jetzt, wo andere dir genau das aufzwängen wollen, endet meine Besuchszeit. Und entgegen aller Befürchtungen ist das auch in Ordnung so.

Du warst immer mein Zufluchtsort vor der Realität. Das Draußen, der Alltag, war bei dir nie von Belang. Durch dich habe ich Menschen kennengelernt, mit denen ich eine ganze Nacht lang geredet habe und danach nie wieder, die ich aber trotzdem nicht mehr vergessen werde. Menschen, mit denen ich fast gar nicht geredet habe, die mir aber trotzdem sofort verbunden waren, weil sie im selben Moment anfingen, dieses Lied aus voller Kehle mitzusingen. Du bist der Ort, an dem mein Getränk voller Konfetti ist, sobald ich es kurz abstelle und mein Gesicht am Morgen voller Glitzer, obwohl ich abends doch nur kurz hallo sagen wollte. Du bist ein Abstecher im Photoautomaten, der stundenlange Streifzug durch die Straßen und der Blick vom Völkerschlachtdenkmal. Du bist die Pizza am Südplatz, der Heimweg lange nach Sonnenaufgang und der vertrödelte Samstagnachmittag. Du bist das stadtgewordene Anfang-Zwanzig-Gefühl.

Anfang Zwanzig ist inzwischen eine Weile her. Mittlerweile könnte ich mir mehr von den Getränken leisten, aber viel weniger von der Orientierungslosigkeit. Der letzte Besuch bei dir war nicht mehr ganz so magisch. Du hast dein Strahlegesicht dieses Mal nicht aufgesetzt, aber nett warst du trotzdem. Hast mir Bier in der ‚Vergebung‘ beschert – der Kneipe mit der bittersüßesten Entstehungsgeschichte, die ich je hörte. Hast mir laute Musik und verrückte Typen vor die Nase gesetzt. Hast mich verabschiedet, nicht mit einem Knall, sondern mit einem freundlichen Schulterklopfen.

Danke für alles, Leipzig. Es war schön.

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