Morgenspaziergang

Foto: Rebecca Goldbach

Früh morgens, wenn ich zur Bahn muss oder gerade erst nach Hause gehe, riecht es rund um das Steintor nach Backwaren. Die Innenstadt ist noch angenehm leer und die wenigen Menschen, die schon wach sind, klammern sich an ihren Kaffee. Ein paar Überbleibsel der letzten Nacht hängen noch bei geöffneter Tür in der Frühbar auf ihren Barhockern und gucken aus halboffenen Augen an der energisch redenden Kellnerin vorbei.

Ich kaufe Sesamringe in der türkischen Bäckerei. Auf türkisch. Mehr ist mir von der Sprache nicht mehr im Gedächtnis geblieben – Hallo, zwei Sesamringe bitte, danke! Der Verkäufer strahlt über das ganze Gesicht und packt mir seine klebrigste Sorte Baklava gratis ein. Ich folge der Straße noch ein Stück, komme vorbei an meiner alten Uni, einem Supermarkt und einem dieser öffentlichen Bücherschränke, die eine super Sache sind, in denen sich aus unerfindlichen Gründen aber immer ein Exemplar von Hera Linds Superweib befindet.

Als ich in die Seitenstraße einbiege, ist vom Verkehr schon nichts mehr zu hören. Ich biege noch ein zweites Mal ab und bin da. Zwanzig Minuten zu Fuß. Drinnen warten riesige Kaffeetassen und Obst und ein lachendes Gesicht. Ich lege die Sesamringe auf den Tisch und werfe das Zugticket in meiner Tasche in den Müll.

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